Sofiensäle: Von der Brandruine zum Bezirksjuwel

Nach einem Brand im Jahr 2001 werden die Sofiensäle aufwändig restauriert. Der restaurierte Gebäudekomplex mit Mischnutzung rund um das Herzstück Sofiensäle wird seit Mitte September 2013 schrittweise fertig.

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Das "Sophienbad" - benannt nach Erzherzogin Sophie - wurde 1838 als Dampfbadeanstalt errichtet. Von 1845 bis 1849 errichteten August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, die Architekten der Wiener Staatsoper, eine große Schwimmhalle. Im Winter verwandelte eine Fußbodenkonstruktion auf Holzstützen das Bad zu einem Ballsaal.

Flämmarbeiten lösten im Jahr 2001 einen Brand am Dach des Hauptsaales aus, der sich rasch ausbreitete. Durch den einstürzenden Dachstuhl fing der denkmalgeschützte große Saal zu brennen an. Übrig blieb eine Brandruine.

Der Gebäudekomplex war stets ein gemischt genutztes Objekt. Neben Bällen wurden einst Strauß-Konzerte abgehalten. Bis zum Brand 2001 fanden Clubbing-Nächte statt. Mit dem neuen Konzept wird der Geschichte der Sofiensäle Rechnung getragen.

Bewegte Geschichte

Trotz blanker Ziegelwände und verhülltem Festsaal werden schon während der Restaurierung Erinnerungen an rauschende Tanzabende geweckt.

Bereits in den 1840er-Jahren musizierte Johann Strauß in den Sofiensälen, und zwar im Winter, wenn die Schwimmhalle nicht anders genutzt werden konnte. Auch andere historische Ereignisse fanden in der Marxergasse 17 statt: 1912 hielt Karl May dort seinen letzten öffentlichen Vortrag, etwas später wurde der erste Tonfilm in Wien gezeigt. Nach einer Zweckentfremdung, als in den ehrwürdigen Räumen die NSDAP gegründet wurde, hielt in den 1950er-Jahren mit den Opernaufnahmen, die Herbert von Karajan mit den Wiener Philharmonikern schuf, die Kultur wieder Einzug. Kultstatus erreichten die Räume in den 1990er-Jahren dank zahlreicher Clubbings. Das Aus bereitete der Brand im Jahr 2001.

Detailverliebte Renovierung

Panoramaansicht der Baustelle bei Nacht

Ab November 2013 werden die Sofiensäle wieder für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Nach mehreren Besitzerwechseln übernahm 2010 die Soravia Group das ruinierte Bauwerk und vollbringt seitdem eine Glanzleistung unter den Argusaugen des Bundesdenkmalamtes.

Eine Analyse der baulichen Reste nach dem Brand ergab, dass die Erhaltung der Fassade und des Festsaals gerechtfertigt ist. Damit wurden die Sofiensäle nach den Redoutensälen das zweitgrößte Wiederaufbauprojekt der letzten Jahrzehnte.

Der 600 Quadratmeter große Festsaal wird mit den herrlichen Verzierungen in allen Details renoviert. 70.000 Lagen Blattgold und 2.500 Bauteile für Säulen und Stuckelemente nach alten Plänen werden verarbeitet. Der Saal wird überdacht und als Ausstellungshalle dienen.

Ein Kenner der Historie des Gebäudes und glühender Unterstützer der Wiedererrichtung ist Erich Hohenberger, Bezirksvorsteher des 3. Bezirks.

Die Brandruine 2001 hat an die zerbombte Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Glücklicherweise haben wir dem Denkmalschutz eine Erneuerung zu verdanken, die wir sonst nie wieder bekommen hätten. Die Restaurierung der Sofiensäle bedeutet unbestritten eine Aufwertung des Grätzels.

Prachtvolle Ausstellungsräume

Wer sich selbst davon überzeugen will, kann das künftig bei Veranstaltungen tun, die eine 150-jährige Tradition kultureller Nutzung fortführen. Zur Stärkung des Standortes wurden Kreative bei der Vergabe der Wohnungen berücksichtigt. Ab Mitte November steht der Festsaal als Ausstellungsraum zur Verfügung. Ab Dezember können die historischen Räumlichkeiten auch für private Kunst- und Kulturveranstaltungen genutzt und gebucht werden.

Baustelle in Innenhof

Im Herbst 2013 sind die ersten Mieterinnen und Mieter in die modernen Wohnungen rund um die Sofiensäle eingezogen.

Moderne Wohnungen im historischen Gebäude

Der moderne Zubau beherbergt 78 Mietwohnungen, wobei für 52 davon förderungsrechtliche Mietzinsbeschränkungen bestehen. Die Vergabe eines Viertels der Wohnungen erfolgte über das Wohnservice Wien. In bester Lage entsteht leistbarer Wohnraum.

Den Mieterinnen und Mietern sowie Gästen stehen ab März 2014 ein Fitness-Studio und ein Restaurant im Erdgeschoss zur Verfügung.

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