Sanierung der Rathaus-Fassaden
Die Fassaden des Wiener Rathauses werden ab September 2012 erneuert. Das komplexe und äußerst aufwändige Vorhaben wird in elf Bauabschnitten - bei erforderlichen Mitteln im Gesamtausmaß von rund 35 Millionen Euro - umgesetzt.

Insgesamt 74 Figuren zieren das Wiener Rathaus
Das Wiener Rathaus, erbaut in den Jahren 1872 bis 1883, zählt zu den bedeutendsten Bauten der Ringstraße, die für eine ganze Epoche - jene des Historismus - namensgebend und richtungsweisend wurde. Bei keinem anderen der großen Ringstraßenbauten wurde so viel Naturstein verwendet. Die Witterung, der die Rathaus-Fassaden mittlerweile 130 Jahre ausgesetzt sind, hat deutliche Spuren in Form von Verschmutzungen, Gefügeschäden und Formverlusten an den Natursteinoberflächen hinterlassen.
Gründliche Untersuchungen im Vorfeld
Dem nun vorliegenden Gesamtrestaurierungskonzept gingen sorgfältige Untersuchungen voraus, die die Grundlage für die endgültigen restauratorischen und konservatorischen Baumaßnahmen lieferten. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten des Bundesdenkmalamts, der Technischen Universität Wien, der Wirtschaft sowie erfahrenen Restauratorinnen und Restauratoren wurden unterschiedliche Test- und Pilotflächen analysiert und teils bereits saniert, um ein umfassendes Bild von den Schäden und notwendigen Maßnahmen zu erhalten. Dabei war es Ziel, die optimalen Restaurationsverfahren, unter weitgehendem Verzicht auf bauchemische Substanzen, für die Natursteine zu ermitteln.
Mit weit mehr als 40.000 Kubikmetern verwendeten Bruch- und Quadersteinen, den zahleichen Architekturelementen sowie der figuralen Ausstattung, stellt das Wiener Rathaus ein - auch was die Menge des Gesteins betrifft - imposantes Denkmal für die Verwendung von Naturstein als Baumaterial im Hochbau dar. Die zahlreichen unterschiedlichen Gesteinstypen stammen aus vielen Regionen der ehemaligen Kronländer, aber auch aus Italien, Frankreich und Deutschland. Chemischen und physikalischen Einflüssen ausgesetzt, weisen manche Gesteine massive Verwitterungszustände auf.
Gesamtkonzept umfasst elf Bauabschnitte
Auf Basis der fundierten Analysen, die im September 2011 plangemäß abgeschlossen wurden, hat das Bau- und Gebäudemanagement der Stadt Wien (MA 34) ein solides und kostengerechtes Gesamtsanierungskonzept erstellt. Darüber hinaus wurde ein Maßnahmenpaket festgelegt, das gewährleistet, dass der Betrieb im Wiener Rathaus möglichst unbeeinträchtigt weitergeführt werden kann. Die Gesamtkosten der Sanierung werden mit rund 35 Millionen Euro beziffert. Die Mittel wurden im April 2012 im zuständigen Gemeinderatsausschuss einstimmig genehmigt
Die Restaurationsarbeiten am Wiener Rathaus werden in elf Bauabschnitten ausgeführt. Die einzelnen Abschnitte werden durchschnittlich 3.200 Quadratmeter Fassadenfläche umfassen. Der Beginn der Sanierung - an den Rathausfassaden beim Friedrich-Schmidt-Platz - ist mit September 2012 geplant. Mit den Bauabschnitten soll jeweils im Herbst begonnen werden. Die Arbeiten werden vor dem Winter des darauffolgenden Jahres fertiggestellt. Somit sollten die Restaurierung im Herbst 2014 abgeschlossen sein.
Die einzelnen Bauabschnitte
- Bauabschnitte 1 und 2: Westfassade Friedrich-Schmidt-Platz
- Bauabschnitte 3 und 4: Fassaden Arkadenhof, Felderstraße
- Bauabschnitte 5 und 6: Felderstraße, Hauptturm
- Bauabschnitte 7 und 8: Nebentürme
- Bauabschnitte 9 und 10: Rathausplatz
- Bauabschnitt 11: Freitreppe am Rathausplatz
Das Gesamtsanierungskonzept umfasst zusätzliche Maßnahmen, wie die Reinigung und Instandsetzung der Natursteinteile, auch Säulen, in den Durch- und Einfahrtsbereichen, die Instandsetzung der im Zuge der Steinfassadeninstandsetzung betroffenen Türen, Tore, Fenstergitter, Bleiverglasungen sowie den Umbau der Beleuchtungseinrichtungen auf moderne und energieeffiziente Leuchten.
Sanierung auf höchstem Qualitätsniveau
In Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt wurde ein Programm entwickelt, das neben der Erfüllung des technischen Erfordernisses eine Restaurierung ermöglicht, die sowohl allen Gesteinsvarietäten entspricht, als auch der historischen und architektonischen Bedeutung des einzigartigen Wiener Ringstraßenbaus gerecht wird. Dabei wird der Natursteinkonservierung und -restaurierung eine ganz besondere Rolle zuteil, da die Wiederherstellung der Materialität als einziges Gestaltungsmerkmal der neogotischen Fassaden gleichermaßen zentraler Inhalt als auch herausfordernde Aufgabe ist. Aus ökologischen Aspekten wird besonderer Wert darauf gelegt, dass bei den restauratorischen und konservatorischen Maßnahmen, bauchemische Substanzen nur im unbedingt notwendigen Maß zur Anwendung gelangen. Festigungen werden nur im unumgänglichen Maße vorgenommen. Auf eine Hydrophobierung, mit Ausnahme der Hauptfassade, wird gänzlich verzichtet. Schlemmen und Lasuren kommen nur partiell in stark der Witterung ausgesetzten und thermisch beanspruchten Bereichen zur Anwendung.
Insbesondere auch beim Umgang mit Fehlstellen und Formverlusten erfolgte gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt die Entwicklung eines Ergänzungskonzeptes. Ganz im Sinne der ursprünglichen Baugeschichte werden alle wesentlichen Materialergänzungen mit Naturstein (Verzicht auf den üblicherweise verwendeten Mörtel) ausgeführt. Neben den erforderlichen bildhauerischen Rekonstruktionen im Bereich von Totalverlusten kann so, abgesehen von der Wiederherstellung der Lesbarkeit, die für den Rathausbau wesentliche Materialästhetik der Natursteinoberflächen und somit die historische Information der Oberflächen gesichert werden. Zudem sind Natursteinergänzungen bei der Verwendung von entsprechenden Natursteinvarietäten technisch deutlich nachhaltiger.
Naturstein-Fassade erfordert SpezialistInnen
Für die Sanierungsarbeiten werden ausschließlich ausgewiesene Spezialistinnen und Spezialisten eingesetzt, um einen behutsamen, fachgerechten und nachhaltigen Umgang mit dem Material zu gewährleisten. Insbesondere an die handwerklichen Fähigkeiten wird ein enormer Anspruch gestellt.
Fakten über das Wiener Rathaus
Die gesamte Natursteinfassadenfläche des Wiener Rathauses (Architekt: Friedrich Schmidt) umfasst rund 40.000 Quadratmeter Fläche. Für Errichtung der Fassaden wurden anno dazumal 30.000 Kubikmeter Quaderstein und 10.000 Kubikmeter Bruchstein eingesetzt. Der figurale Fassadenschmuck von 26 Künstlerinnen und Künstlern - ingesamt 74 Figuren - ziert das Rathaus.
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wien.at-Redaktion
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